Carl Loewe und Kiel – Wanderungen und Mäanderungen eines alten Musikantiquars

Ich freue mich, Ihnen mein elftes Video präsentieren zu können. Es geht darin um Carl Loewe, Ernst Barlach, Friedrich Hebbel und Kiel sowie um die mühselige, aber geistig befriedigende Arbeit der Katalogerstellung in althergebrachter Weise. Mit Freude und Dankbarkeit spreche ich außerdem über die seit über dreißig Jahren währende erfolgreiche Zusammenarbeit mit Frau Gabriele Kaiser-Schumann.

Besuchen Sie auch die Seite des Musikantiquariats Gabriele Kaiser-Schumann: http://www.antiquariat-kaiser-schumann.de/ueberuns.htm

Opernführer und kein Ende

Im zweiten Teil meiner Serie über Oper und Gesang präsentiere ich Ihnen einige der wichtigsten deutschsprachigen Opernführer und Opern-Diskographien von Heinz Wagner, Attila Csampai, Dietmar Holland, Rudolf Kloiber, Ulrich Schreiber und Karsten Steiger. Außerdem löse ich das Rätsel, wer sich hinter dem Namen Kurt Tennestedt verbirgt. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen!

Bibliographie

Heinz Wagner: Das große Handbuch der Oper (3:28)

Heinz Wagner: Das große Operetten-Buch (4:14)

Harenberg Opernführer (4:46)

Attila Csampai, Dietmar Holland: Opernführer (5:30)

Rudolf Kloiber: Handbuch der Oper (6:32)

Rudolf Kloiber, Wulf Kunold, Robert Maschka: Handbuch der Oper (7:46)

Ulrich Schreiber: Opernführer für Fortgeschrittene (9:33)

Ulrich Schreiber: Die Kunst der Oper (10:00)

Karsten Steiger: Opern. Ein Verzeichnis aller Aufnahmen (10:10)

Karsten Steiger: Opern-Diskographie. Verzeichnis aller Audio- und Video-Gesamtaufnahmen (10:41)

Stanley Sadie: The New Grove Dictionary of Opera (21:09)

Schöne Erinnerung an Solveig etc.

Gesang und Oper: Subjektive Ansichten und Absichten eines alten Musikantiquars

Seit mehr als sechzig Jahren beschäftige ich mich mit Gesang und Oper. In meinem neuesten Video, das eine mehrteilige Serie über meine Lieblingssänger, einige Problemfälle und allgemeine Fragen des Gesangs eröffnen soll, stelle ich einige der theoretischen Grundlagenwerke und ihre Autoren vor, die für die Beschäftigung mit diesen Themen unerlässlich sind: darunter Jürgen Kesting, Jens Malte Fischer, Kutsch/Riemens, Wolf Rosenberg, John B. Steane und Einhard Luther.

Corona und ich

Ich bekomme immer wieder Briefe, E-Mails und Anrufe von auswärtigen Kunden, die sich bei mir erkundigen, wie es mir und dem Antiquariat in dieser schwierigen Zeit ergeht.

Rudolfo aus „La Bohème“ antwortet auf die Frage, wie er lebe: „Ich lebe!“

Mein Antiquariat ist weniger ein Gewerbebetrieb als eine Kulturinstitution. So schrieb mir vor kurzem ein musikinteressiertes Ehepaar aus Düsseldorf: „Wir haben in Berlin vier Ziele: erstens die Philharmonie, zweitens die Staatsoper, drittens die Deutsche Oper und viertens – last but not least – Sie und Ihr Antiquariat. Leider können wir wegen der Corona-Risiken zurzeit nicht nach Berlin kommen!“

Ich freue mich natürlich über diese Wertschätzung, aber mir und auch dem Antiquariat fehlen diese Kunden. Meine Kundenstruktur stellt sich folgendermaßen dar: Berufsmusiker (darunter viele freischaffende), Musikstudenten, Musikfreunde (vor allem auswärtige und ausländische). Durch das Fernbleiben vieler dieser Kunden ergeben sich erhebliche Umsatzeinbußen.

Bis zu meinem achten Lebensjahr habe ich in einem Flüchtlings- und Vertriebenenlager in einem Zimmer mit fünf Personen gelebt, bevor meine fleißigen Eltern ein kleines Behelfsheim erwerben konnten. Ich führe seit jeher ein frugales Leben, habe weder ein Auto noch ein Fernsehgerät und immer noch kein Mobiltelefon. Dafür Bücher, Noten, Schallplatten und einen Flügel. Ich werde deshalb auch diese Situation durchstehen.

Das Positive an dieser kundenarmen Zeit ist, daß ich meine Lagerbestände endlich bearbeiten, mehrfach Vorhandenes verschenken und eine neue Sonderangebotslinie starten konnte.

Viel Sorge bereitet mir jedoch das Schicksal der mir bekannten freischaffenden Künstler. Diese sind trotz der staatlichen Hilfe in einer schwierigen Lage. Konzerte können nicht oder nur vor kleiner Zuhörerzahl stattfinden.

Berlin ist zweifellos die Welthauptstadt der Musik (pardon, verehrtes Wien): drei große Opernhäuser, insgesamt sieben große Orchester und zwei führende Musikhochschulen. Genauso wichtig wie diese öffentlichen Institutionen ist die große Freie Szene. Hier sind die kreativen, enthusiastischen und risikofreudigen Künstler tätig. Meine schönsten musikalischen Erlebnisse in den letzten Jahren habe ich nicht in den „Tempeln der Hochkultur“, sondern durch freischaffende Künstler erlebt.

Ich habe die Fabeln von La Fontaine immer sehr gerne gelesen – bis auf diejenige von der Ameise und der Grille: „Wenn du im Sommer gespielt hast, dann kannst du im Winter tanzen“. Diese sozialdarwinistische Denkweise ist mir unerträglich. Künstlerische Darbietungen sind eben auch „Lebensmittel“.

Gustave Doré, La cigale et la fourmi, Entwurf zu einer Illustration der Fabeln von La Fontaine, gegen 1868.

Die meisten freischaffenden Künstler können sich für Notzeiten von ihrem geringen Einkommen keinerlei Reserven anlegen. Bei dieser Gelegenheit möchte ich anregen, daß auch während der Sommermonate zum Beispiel ein Opernhaus (auch mit Personal aus den anderen Häusern) durchspielt. Die Berliner Kulturausgaben sind durch die sogenannte Umwegsrentabilität weitgehend gedeckt. Die Kulturpolitik sollte sich nicht nur hauptsächlich auf Premieren, Vernissagen und Event-Kultur beschränken.

Erfreulicherweise habe ich ein junges chinesisches Künstlerehepaar kennengelernt, das auf die Aufnahmeprüfungen an den Hochschulen wartet. Da wir Zeit haben, konnten wir bisher zehn Videos drehen, von denen bislang sieben erschienen sind.

Im Laufe der nächsten Woche erscheint ein Beitrag über Wilhelm Furtwängler. Geplant sind für die nächste Zeit folgende Videos:

1. Müssen Opernsänger wirklich so dick sein?

2. Gesangslehrer und Gesangslehren

3. Meine Lieblingssänger: Lilli Lehmann, Lotte Lehmann, Kirsten Flagstad, Leonie Rysanek, Christa Ludwig, Heinrich Schlusnus, Alexander Kipnis, Jussi Björling, Carlo Bergonzi, Fritz Wunderlich und einige mehr

4. Problem- bzw. Streitfälle: Maria Callas, Elisabeth Schwarzkopf, Dietrich Fischer-Dieskau

5. Stimm- und Rollenfächer

6. Mein idealer Spielplan

7. Opernführer

8. Buhen oder nicht buhen – das ist hier (nicht) die Frage!

9. Hugo Wolf

10. Der sich ausufernde „Silbersee“ als Gefahr für die Zukunft der Hochkultur

11. Die „Bringschuld“ der öffentlich geförderten Kultureinrichtungen

12. Zur Geschichte der Schallplatte

Das Hauptproblem der – anfangs nur für ein chinesisches Publikum gedachten – Videos besteht in der zeitlichen Beschränkung. Der von den neuen Medien beförderte Wettbewerb um Klicks und Zuschauer führt zu einer immer kürzeren Aufmerksamkeitsspanne. Es ist schier unmöglich, wirklich Substantielles über große Künstler in drei Minuten zu sagen. Aus diesem Grunde denke ich an ein längeres Format, das ich ab Winter in die Tat umsetzen möchte.

Hellmut Stern (1928–2020)

Vor fünfzehn Jahren bat mich der ehemalige Erste Geiger des Berliner Philharmonischen Orchesters (heute Berliner Philharmoniker) um einen Hausbesuch in seine beeindruckende Wohnung am Fürstenplatz im Berliner Westend. Es wurde ein sehr schöner Nachmittag mit interessanten Gesprächen bei Tee und Konfekt.

Ich hatte schon kurz nach Erscheinen sein Buch „Saitensprünge“ mit hohem Interesse gelesen (Transit Buchverlag, Berlin 1990 und 1997). Der Verlag wirbt auf dem Einbanddeckel (!) mit den Worten: „Die ungewöhnlichen Erinnerungen eines Musikers der 1938 von Berlin nach China fliehen mußte, 1949 nach Israel einwanderte, ab 1956 in den USA lebte und schließlich 1961 zurückkehrte als Erster Geiger der Berliner Philharmoniker.“ Ich würde „ungewöhnlich“ in „außergewöhnlich“ ändern. Das Buch wurde ein internationaler Erfolg (unter anderem Übersetzungen in die chinesische und japanische Sprache). Die besondere Stärke dieses Buches liegt in der Verbindung von Biographie, Zeitgeschichte, klugen Informationen über Musik (natürlich mit dem Schwerpunkt Berliner Philharmoniker) und Musikern (besonders Herbert von Karajan) und auch grundsätzlichen Überlegungen über Gott und die Welt.

Hellmut Stern war nicht nur ein sehr guter Geiger, er spielte meistens am Zweiten Pult, manchmal auch am Ersten der Philharmoniker. Er war sehr engagiert und saß beim Spielen wirklich auf der Stuhlkante. 1962 wurde er sogar Vorspieler der Ersten Geigen (im Ausland assistant concert master), er siegte bei diesem harten Wettbewerb mit dem Vortrag des Violinkonzertes von Wieniawski in d-moll. Hellmut Stern wurde zweimal Vorstand des Orchesters. Er setzte unter anderem die Neugliederung der Gehaltsstruktur und die Abschaffung diverser Titel (gegen starke interne Widerstände) bei den Philharmonikern durch. Große Verdienste erwarb er sich darüber hinaus durch die hervorragende Organisation von Orchesterreisen nach China und Israel. Seine Beherrschung vieler Fremdsprachen war hierbei sehr nützlich. Er war ehrgeizig und wollte und konnte „etwas zu sagen haben“.

Schon in den sechziger Jahren konnte Hellmut Stern eine echte „echte“ Stradivari erwerben (damals noch sehr viel preiswerter). Er selbst scherzte: „Es gibt nur 300 echte Stradivaris, davon 3000 in Ostasien.“ Die „Zettelwirtschaft“ des Geigenhandels ist ein seit Jahrhunderten bestehendes Problem.

Während unseres angeregten Gespräches bekamen auch einige bekannte Dirigenten „ihr Fett weg“ („Blender, Pinsler, Schaumschläger“). Anschließend besichtigte ich die Bücher und Noten. Es war in erster Linie eine solide Arbeitsbibliothek. Er hing sehr an seiner Sammlung, vertröstete mich auf spätere Zeiten, verkaufte mir aber seine hervorragende Schallplattensammlung.

Nach Abschluß seiner aktiven Laufbahn widmete er sich mit der ihm eigenen Energie gesellschaftspolitischen Aufgaben. Er schreibt selbstironisch: „Ich wurde zum Berufszeitzeugen.“ Coronabedingt konnte die Trauerfeier leider nur in kleinem Rahmen stattfinden. Nach seinem Tode konnte ich von seiner Familie die wesentlichen Teile seiner Bibliothek erwerben.

Die Berliner Philharmoniker haben Hellmut Stern sehr viel zu verdanken. Ich hoffe sehr, daß dieses außergewöhnliche Leben (auf Grundlage seiner Biographie) verfilmt wird.

Ich erinnere mich immer noch sehr gerne an den schönen Nachmittag mit Hellmut Stern.

Heiteres Intermezzo

Das neueste Video soll Ihnen das Warten auf die folgenden Beiträge vertreiben: die Eule in Geschichte und Gegenwart, große deutschsprachige Komponisten III und IV, Wilhelm Furtwängler, zur Geschichte der Schallplatte…